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Gerhard Schröder - Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland
Gerhard Schröder
Gerhard Schröder (SPD)


Gerhard Schröders Gegner nennen ihn den "Kanzler der Beliebigkeit." Ideologien oder Prinzipien stehen ihm jedenfalls selten im Weg. Es ist der politische Instinkt, der ihn leitet. Und es ist seine Herkunft, die ihn bis heute prägt: Ohne Vater aufgewachsen, materielle Not am eigenen Leib erfahren, von dem unbändigen Willen getrieben, von ganz unten nach ganz oben zu kommen. Mit 14 musste er die Schule erst einmal verlassen, um Geld zu verdienen: Die Familie konnte sich Oberschule und Studium nicht leisten, beides holte er später nach. Schröder machte sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg und wurde Rechtsanwalt. Diese Biographie ist es, die Schröder auch in seinen politischen Reden immer wieder zitiert: "Bildungschancen dürfen nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen!" Kaum einer kann diesen Leitsatz sozialdemokratischer Bildungspolitik authentischer formulieren als Gerhard Schröder.


Einer wie er kam nicht wie viele der 68er über die Theorie in die Politik. Auch als Juso-Vorsitzender interessierte er sich weniger für das marxistische Schriftgut als für die Macht. Angeblich wollte Schröder schon als Schüler Bundeskanzler werden. Verbürgt ist auf jeden Fall, dass er in Bonn als einfacher Abgeordneter nachts und leicht angeheitert am Zaun des Bonner Kanzleramts rüttelte und rief: "Ich will hier rein!"

Doch bis er da tatsächlich hineinkam, waren noch einige Umwege nötig: Das Hinterbänkler-Dasein im Bundestag erschien ihm als Sackgasse. Deswegen boxte er sich erst einmal in der niedersächsischen Landespolitik nach oben, behielt aber auch als Ministerpräsident das Kanzleramt im Visier und machte den SPD-Bundespolitikern das Leben schwer. Die Bundestagsfraktion titulierte er als "Kartell der Mittelmäßigkeit". Er mäkelte am SPD-Vorsitzenden Björn Engholm herum, unterlag dann aber in der Mitgliederentscheidung über den nächsten Parteivorsitzenden Rudolf Scharping. Doch Schröder ließ sich von solchen Niederlagen nicht beeindrucken und beteiligte sich an der Demontage Scharpings, die 1995 auf dem Mannheimer Parteitag mit der Wahl Oskar Lafontaines zum Parteichef endete.

Auch das kein Grund zur Resignation für Schröder: Er wollte Kanzler werden, nicht Parteichef. Deshalb brachte er sich nun gegen Lafontaine in Position, als Modernisierer, als Marktwirtschaftler, als Mann der Mitte. Damit eroberte er zwar nicht die Herzen der Parteimitglieder, aber die Sympathien der Meinungsführer in den Medien und schließlich die Stimmen der Wähler. Die "Kohl-muss-weg"-Stimmung und der Sex-Appeal des Machtmenschen trugen Schröder schließlich 1998 ins Kanzleramt.

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